{"id":266,"date":"2015-10-29T11:27:40","date_gmt":"2015-10-29T10:27:40","guid":{"rendered":"http:\/\/weblog.hochhaltinger.net\/?p=266"},"modified":"2015-10-30T06:10:06","modified_gmt":"2015-10-30T05:10:06","slug":"achtung-schwarze-katze","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/weblog.hochhaltinger.net\/?p=266","title":{"rendered":"Achtung, schwarze Katze?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><strong><em><a href=\"http:\/\/weblog.hochhaltinger.net\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/black-cat.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-289 alignleft\" src=\"http:\/\/weblog.hochhaltinger.net\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/black-cat.jpg\" alt=\"black-cat\" width=\"200\" height=\"155\" \/><\/a>\u201eEine Schwarze Katze bringt Ungl\u00fcck!\u201c \u2013 dieser Aberglaube l\u00e4sst sich seit Jahrhunderten nicht ausrotten. Warum eigentlich?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Jahrhunderte lang galt eine Begegnung mit einer schwarzen Katze als \u201eb\u00f6ses Omen\u201c, die armen Tiere galten als Verk\u00f6rperung des B\u00f6sen schlechthin. Und sogar heute wei\u00adchen so manche unserer modernen und aufgekl\u00e4rten Zeitgenossen immer noch auf die andere Stra\u00dfen\u00adseite aus, sobald eine schwarze Katze ihren Weg zu kreuzen droht \u2013 \u201enur sicherheitshal\u00adber\u201c nat\u00fcrlich.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h3>Katzen stammen aus Afrika<\/h3>\n<p>Ebenso wie die Menschen stammen auch die Katzen urspr\u00fcnglich aus Afrika. Sie lebten wahrscheinlich zuerst als Wildkatzen, die hin und wieder mit einzelnen Menschen Kon\u00adtakt aufnahmen, wenn sie von diesen freundlich behandelt wurden. Mit der Zeit entstand eine lose Freundschaft zwischen den Zweibeinern und den schnurrenden Mini\u00ad-Tigern.<\/p>\n<p>Vor etwa achttausend Jahren jedoch \u00e4nderte sich das Klima in Nordafrika dramatisch: in einem gro\u00dfen Teil der Steppe blieb der Regen aus. Wo einst viele kleine Bauernst\u00e4mme einfachen Ackerbau betrieben hatten, liegt heute der Sand der Sahara.<\/p>\n<p>Die Menschen hat\u00adten hier keine \u00dcberlebenschance mehr, sie mussten ihre Heimat verlassen. Einzig im Osten bot das Niltal die M\u00f6glichkeit, Felder zu bew\u00e4ssern und Ackerbau zu betreiben; hier sam\u00admelten sich die \u00dcberlebenden dieser Klimakatastrophe, eng zusammengepfercht auf eine viel kleinere fruchtbarer Fl\u00e4che als zuvor. Um das Zusammenleben zu ordnen und um Streit zu schlichten, war somit eine zentrale Verwaltung und Gesetzge\u00adbung vonn\u00f6ten \u2013 und ebenso, um staatliche Getreidespeicher anzulegen, damit die Bev\u00f6lkerung auch bei Ernteausf\u00e4llen nicht verhungern musste.<\/p>\n<p>Damit jedoch schlug auch die Stunde der Katzen, denn diese Speicher waren ein Magnet f\u00fcr Nagetiere aller Art. Nur Katzen konnten genug von diesen Nagern eliminieren, um ihr explosions\u00adartiges Wachstum zu verhindern. Aus den wild lebenden Katzen wur\u00adden somit \u201ebeamtete\u201c M\u00e4usej\u00e4ger.<\/p>\n<p>Wie wichtig Katzen f\u00fcr die Menschen im alten \u00c4gyp\u00adten waren, k\u00f6nnen wir daran erkennen, dass sie als heilige Tiere galten und sogar ihre ei\u00adgene G\u00f6ttin namens B&#8217;stet hatten. Damals war es beispielsweise bei Todesstrafe (!) verboten, eine Katze zu t\u00f6ten.<\/p>\n<h3>Vom heiligen Tier zum Teufel<\/h3>\n<p>Dieses positive Image der Katzen w\u00e4hrte nicht ewig, und die Ursache daf\u00fcr war die ka\u00adtholische\u00a0 Kirche.\u00a0 Papst\u00a0 Gregor\u00a0 IX\u00a0 verk\u00fcndete\u00a0 im\u00a0 Jahr 1232\u00a0 in seiner\u00a0 p\u00e4pstlichen\u00a0 Bulle \u201eVox Rama\u201c, dass jede Art von \u201eTeufelsanbetung\u201c eine verdammenswerte Tods\u00fcnde sei. Und in dieser Bulle wurden schwarze Katzen ausdr\u00fccklich erw\u00e4hnt; sie w\u00e4ren eine \u201eInkarnation des Teufels\u201c und sollten am besten auf einem Scheiterhaufen verbrannt werden.<\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"de-AT\">Zuerst wurden also alle schwarzen Katzen in Europa umgebracht, denen man habhaft werden konnte. Aber was war mit den Dunkelgrauen? Die wurden selbstverst\u00e4ndlich auch gleich beseitigt, nur um ganz sicher zu sein. Aber wirklich ganz sicher war man ja erst, wenn wirklich <i>jede<\/i> Katze eliminiert war. Schlie\u00dflich war ja bekannt, dass der Teufel ein Meister der T\u00e4uschung sei \u2013 somit konnte er sich wohl auch als wei\u00dfe Katze \u201etarnen\u201c \u2013 die Jagdsaison auf Katzen war er\u00f6ffnet, und die Jagd war unerbittlich. Die Zahl der Katzen im Europa wurde dadurch entscheidend dezimiert.<\/p>\n<h3 class=\"western\" lang=\"de-AT\">Keine gute Idee<\/h3>\n<p class=\"western\" lang=\"de-AT\">Die erfolgreiche Fast-Ausrottung der Katzen in Europa zeugte zwar von gro\u00dfem Glaubenseifer (bzw. von der gro\u00dfen \u00dcberzeugungskraft der katholischen Kirche), aber ebenso von totalem Unwissen \u00fcber die Zusammenh\u00e4nge der Natur. Die Rechnung daf\u00fcr wurde den Menschen schon bald danach pr\u00e4sentiert, als in Italien ein Handelsschiff aus Indien anlegte, das eine neue, bisher unbekannte Krankheit mitgebracht hatte: die Beulenpest.<\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"de-AT\">Zu dieser Zeit waren die St\u00e4dte im Aufschwung, wer daheim keine M\u00f6glichkeit sah, dr\u00e4ngte in die n\u00e4chste Stadt, um dort \u201esein Gl\u00fcck zu machen\u201c. Die St\u00e4dte waren eng, dreckig, \u00fcberv\u00f6lkert \u2013 und extrem unhygienisch. Die Abf\u00e4lle wurden einfach auf die Stra\u00dfe geworfen, auch verdorbene Essensreste.<\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"de-AT\">Mit einem Wort: es war ein Paradies f\u00fcr Ratten, insbesondere nachdem die Menschen deren Erbfeinde, die Katzen, in den St\u00e4dten praktisch eliminiert hatten. Die Ratten konnten sich ungehindert vermehren, und sie waren \u00fcberall zu finden, auch in den K\u00fcchen und Wohnstuben der Menschen.<\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"de-AT\">Nun wird die Beulenpest ausgerechnet durch Rattenfl\u00f6he \u00fcbertragen.\u00a0 Dank der europaweiten Katzenjagd in den Jahrzehnten davor stand einer raschen, ungehinderten Verbreitung der Seuche \u00fcber ganz Europa nun kein nennenswertes Hindernis mehr im Weg. Die Seuche forderte insgesamt gesch\u00e4tzte 200 Millionen Opfer.<\/p>\n<h3 class=\"western\" lang=\"de-AT\">Vom Teufel zum Hexenvieh<\/h3>\n<p class=\"western\" lang=\"de-AT\">Die Priester waren davon \u00fcberzeugt, nur Gott habe die F\u00e4higkeit, Krankheiten zu heilen. Somit war ihnen die alte, (\u201eheidnische\u201c) Volksmedizin mit ihrem in Jahrhunderten gewonnenen, reichhaltigen Wissen \u00fcber Heilkr\u00e4uter und ihre Anwendung ein gewaltiges \u00c4rgernis.<\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"de-AT\">Wenn diese \u201eKr\u00e4uterweiber\u201c tats\u00e4chlich Krankheiten heilen konnten, ohne den christlichen Gott daf\u00fcr anzurufen, dann konnte wohl nur der Teufel ihnen die Macht dazu gegeben haben. Also galt es, diese Hexen zu verfolgen und auszurotten, um ihre Seelen vor der H\u00f6lle zu retten.<\/p>\n<h3 class=\"western\" lang=\"de-AT\">Erkennungszeichen Katze<\/h3>\n<p class=\"western\" lang=\"de-AT\">Ein Erkennungsmerkmal war immerhin bekannt: Viele dieser Kr\u00e4uterweiber hielten sich ein Katze als Haustier \u2013 ausgerechnet eine Katze! Und noch ein Ger\u00fccht wurde herumerz\u00e4hlt: sie k\u00f6nnten sich mit ihrer teuflischen Magie selbst in schwarze Katzen verwandeln.<\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"de-AT\">Mit den Pilgerv\u00e4tern kam auch dieses Ger\u00fccht nach Amerika, und so wanderten w\u00e4hrend der ber\u00fcchtigten Hexenprozesse von Salem neben den menschlichen Opfern dieses Wahnsinns auch viele schwarze Hauskatzen auf die Scheiterhaufen, um zusammen mit ihren \u201eHexen\u201c verbrannt zu werden.<\/p>\n<h3 class=\"western\" lang=\"de-AT\">Katzen und Schiffe<\/h3>\n<p class=\"western\" lang=\"de-AT\">Die Seefahrt war damals weit riskanter als heute, und so bl\u00fchte unter den Seeleuten der Aberglaube. Anfangs brachte eine schwarze Katze Ungl\u00fcck, wenn sie einem entgegenkam und Gl\u00fcck, wenn sie weglief. Spazierte eine Katze jedoch auf ein Schiff, um gleich darauf wieder an Land zu gehen, dann war dieses Schiff unweigerlich zum Untergang verflucht <i>(dies wohl deshalb, weil Ratten bekanntlich ein leckendes Schiff weitaus fr\u00fcher bemerken als die Besatzung und sich rechtzeitig aus dem Staub machen. Riecht dann eine Katze in diesem Schiff keine Ratten mehr <\/i><i>und geht <\/i><i>gleich wieder von Bord<\/i><i>, so ist <\/i><i>das Vehikel<\/i><i> <\/i><i>wahrscheinlich schon <\/i><i>so desolat, dass es in K\u00fcrze <\/i><i>auseinanderf<\/i><i>\u00e4<\/i><i>ll<\/i><i>t<\/i><i>)<\/i>.<\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"de-AT\">Wie aber vermied man, dass eine schwarze Katze ein Schiff gleich wieder verlie\u00df? Ganz einfach, man nahm sich selbst eine schwarze Katze als Haustier \u2013 oder genauer: als Bordkatze, die auf diesem Schiff zu Hause war. Denn dann m\u00fcsste man ja immer Gl\u00fcck haben, diese Katze w\u00fcrde das Schiff nicht gleich wieder verlassen.<\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"de-AT\">Auch sp\u00e4ter, nachdem dieser Grund l\u00e4ngst vergessen war, blieb doch die Grundidee erhalten: \u201eSchwarze Katzen bringen Gl\u00fcck\u201c \u2013 und sie fangen au\u00dferdem die M\u00e4use im Schiff, die sonst alle Vorr\u00e4te annagen und verw\u00fcsten. Kurzum: Bordkatzen waren Gl\u00fccksbringer.<\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"de-AT\">Als T\u00fcpfelchen auf dem I \u00fcbernahmen schlie\u00dflich auch die Frauen der Seeleute den Brauch, sich eine schwarze Katze als Gl\u00fccksbringer im Haus zu halten. Der gute Ruf der schwarzen Katzen war wohl endg\u00fcltig wiederhergestellt. Oder doch nicht?<\/p>\n<h3 class=\"western\" lang=\"de-AT\">Immer noch abergl\u00e4ubisch?<\/h3>\n<p class=\"western\" lang=\"de-AT\">Aller Schulbildung zum Trotz z\u00f6gern so manche Zeitgenossen auch heute noch, sobald eine schwarze Katze ihren Weg zu kreuzen droht \u2013 warum eigentlich?<\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"de-AT\">Diesen Angsthasen zur Beunruhigung: das Gen f\u00fcr das schwarze Fell ist ein dominantes Gen, die schwarzen Katzen werden also nicht aussterben, ganz im Gegenteil!<\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"de-AT\">Den Preis f\u00fcr diesem alten Aberglauben zahlen heute unz\u00e4hlige schwarze Katzen in den Tierschutzh\u00e4usern. Sie werden von vielen Menschen weniger gern ausgesucht; zu viele von ihnen m\u00fcssen eingeschl\u00e4fert werden, um wieder Platz f\u00fcr die Flut der Neuzug\u00e4nge zu schaffen. Dabei finden sich \u2013 davon bin ich \u00fcberzeugt \u2013 gerade unter den schwarzen Katzen vielfach die intelligentesten Tiere, schlie\u00dflich mussten ihre Vorfahren viele Generationen lang den Nachteil einer weniger \u201ejagd-tauglichen\u201c Farbgebung wettmachen, um zu \u00fcberleben.<\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"de-AT\">Somit kann ich nur jedem potenziellen Katzenliebhaber empfehlen: Sollte Sie Ihr Weg einmal ins Tierschutzhaus zu den Katzen f\u00fchren, dann schauen Sie sich die \u201eschwarzen Murln\u201c einmal genauer an!<\/p>\n<p align=\"right\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><i>Jo Patek<\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eEine Schwarze Katze bringt Ungl\u00fcck!\u201c \u2013 dieser Aberglaube l\u00e4sst sich seit Jahrhunderten nicht ausrotten. Warum eigentlich? 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